Tiefsee und Meeresforschung Ausstellung
Blick in die neue Ausstellung.

Abtauchen!

Am 3. September eröffneten die neuen Ausstellungsräume „Meeresforschung“ und „Tiefsee“


15 Minuten warten … langsam kriecht der Zeiger des Manometers über die rote Fläche, die nach und nach weiß wird. Wir lassen unseren Blick über Forschungsgeräte schweifen, die in Originalgröße über uns hängen. Lesen, was das für ein eigenartiger gelber Torpedo mit Flügeln ist. Und dann … nur noch Sekunden … 3, 2, 1 … die Lichter erlöschen und die Animation beginnt. Von der Meeresoberfläche geht es hinab bis zur tiefsten Stelle der Ozeane – elf Kilometer nach unten. Während wir abtauchen, verdunkelt sich der gesamte Raum um uns herum und verschwimmt mit dem Schwarzblau der Tiefsee.

Wir befinden uns in der „Meeresforschung“, dem ersten neuen Raum der „Marinen Systeme“ des Projekts „Neues Museum“ im 2. Obergeschoss des Nordflügels im Frankfurter Naturmuseum. Ein blau-weißer Container steht wie vergessen mitten im Raum. Rostspuren von langen Expeditionen auf See und sogar Möwenkot haften ihm an. Ist da nicht auch ein Geruch von Tang und Salz? Im Inneren: modernste Technik. Zwei Steuerknüppel und drei Großmonitore bilden den Stand der Roboterpilot*innen. Virtuell können zwei von uns ein ROV (Remotely Operated Vehicle) bis in die ewige Nacht der Tiefsee steuern. Im Raum hängen Forschungsgeräte in Originalgröße. Wir bewundern die „Bathysphere“, das Gefährt der US-amerikanischen Tiefseepioniere Otis Barton und Charles William Beebee aus den 1930er Jahren. Wer traut sich und klettert hinein? Das Modell von JAGO, dem einzigen bemannten Forschungstauchboot Deutschlands vom GEOMAR in Kiel, beleuchtet auf Knopfdruck einen Quastenflosser – jenen Fisch, der lange Zeit als ausgestorben galt. Wir folgen dem Licht der kaltweißen LED-Leuchten und tauchen weiter ab.

Wir haben die Ausstellungseröffnung für Sie aufgezeichnet. Erfahren Sie Spannendes und Neues rund um Meeres- und Tiefseeforschung.

Unsere Augen müssen sich an die Dunkelheit gewöhnen. Der Boden ist weich und das Geräusch unserer Schritte gedämpft. Langsam schälen sich aus der Finsternis Umrisse heraus. Etwas Riesiges und Rotes schwimmt über unseren Köpfen: ein Kalmar, den kleinere Tiere umschwärmen. An den Wänden zeigen sich mystisch beleuchtete Kabinette mit meist in Gläsern befindlichen Organismen, die aus der ewigen Dunkelheit ans Licht gebracht wurden. Wir sehen kleine Vulkane aufragen, an deren Schloten sich Muscheln, Krebse und Würmer aufhalten. Über und auf einer wüstenartigen Ebene schwimmen, laufen und verharren die Bewohner der Tiefseeweichböden. Ein toter Wal ist auf den Meeresboden gesunken und wird dort nach und nach gefressen, bis er am Ende zum Riff geworden ist. Staunend über die Vielfalt des größten Lebensraums der Erde lassen wir uns durch die Dunkelheit treiben und entdecken das wunderbare und bisweilen bizarre Universum der Finsternis.

Plötzlich eine Seitentür. Wir treten hindurch. Es ist noch dunkler. Seltsame Töne sind zu hören. Kleine blaue Kreise markieren Knöpfe, die wir drücken können. Wir drücken und – lösen einen Alarm aus, den es so nur in der Tiefsee gibt …

Wie geht es weiter? Das können Besucher*innen im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt „live“ erleben.

Dr. Torben Riehl, Dr. Thorolf Müller, Maximilian Bugert erklären, wie die neue Ausstellung entstand und welche Schwierigkeiten zu meistern waren.

Der Autor

Dr. Thorolf Müller studierte Biologie in Kiel und Mainz und promovierte im Bereich Biologie/Anthropologie. Seit 2009 ist er als Projektleiter für Ausstellungen im Senckenberg-Naturmuseum Frankfurt am Main tätig. Er konzipiert im Zusammenspiel mit den Forscher*innen Senckenbergs und externen naturwissenschaftlichen Einrichtungen Sonder-, Wander- und Dauerausstellungen zu diversen naturkundlichen Themen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.